MQ: Stell dir vor, der Raum wäre öffentlich

Das Museumsquartier verbietet neuerdings das Konsumieren selbst mitgebrachter Getränke. Dagegen läuft innerhalb kürzester Zeit auf Facebook eine Protestbewegung, die sofort von tausenden Menschen unterstützt wird. Gestern abend meldete sich das Museumsquartier zu Wort und machte eine schon leicht zurückrudernde Stellungnahme hier.

Diese Stellungnahme hat es wirklich in sich. Da wird tatsächlich behauptet, das Gelände sei nun mal Privatgrund und es gäbe ja nur Durchgangsrecht. Das mag rein juristisch stimmen, aber zeigt trotzdem das Dilemma der Geschäftsführung des Museumsquartiers, denn dieses Gelände bekommt Steuergelder – und zwar gar nicht knapp! Das bedeutet, es werden Menschen gemaßregelt, die dafür bezahlen. So geht das nicht!
Die Maßnahme, selbst mitgebrachte (angeblich jetzt nur noch alkoholische) Getränke nicht mehr konsumieren zu können, dient wohl ausschließlich der Stärkung der Gastronomie vor Ort. Es ist nur eine Alibi-Behauptung, wenn gesagt wird, es gehe um Randalierer_innen und Vandalismus. Dagegen gibt es nämlich ohnehin Gesetze und die Polizei kann in solchen Fällen jederzeit gerufen werden.
Wenn das Museumsquartier sich plötzlich als Privatgrund und überhaupt als privat begreift, dann stimmt’s hinten und vorne nicht. Liebe Wiener_innen, ihr bezahlt dafür, also nehmt euch den öffentlichen Grund und zeigt der Geschäftsführung, wer bezahlt.
Protestaktionen am 13. Juni (Facebook Link) und am 20. Juni (Facebook Link)
  1. Anonymous says:

    In die AUA fließt auch genug Steuergeld, und trotzdem gibts keinen Freiflug für Steuerzahler, weil ich ja "sowieso dafür bezahle" – ihr Argument wirkt auf mich nicht überzeugend.

    Ist das Museumsquartier öffentliches Gut?

    Außerdem gibts für jede Einrichtung eine Hausordnung.

  2. Anonymous says:

    Lieber Marco Schreuder,

    abgesehen davon, dass das MQ rein rechtlich(!) halt nun mal wirklich Privatbesitz ist (in den Höfen des Rathauses werde ich wohl auch keine Chance haben mich des Nächtens aufzuhalten), aber schon mal gesehen, wie es nach so manchen Nächten am Morgen im Areal aussieht?

    Ich will die Situation nicht überdramatisieren, aber kaputte Bierflaschenscherben im Brunnen (in dem sich gern Kinder tümmeln, obwohl nicht empfohlen), die Müllmengen am morgen, besprühte Liegen…

    Ich selbst schätze das Areal und die Atmosphäre im MQ sehr. Aber wenn man sich ansieht, wie komplett sorglos und gleichgültig so manche umgehen und Müll liegenlassen anstatt zum nächsten freien Mistkübel mitnehmen, ist es kein Wunder, wenn hier irgendwann mal versucht wird, Grenzen zu ziehen, so unglücklich ich darüber bin.
    Aber ein bißchen mehr Reflexion würde diesem spontan-rebellionseintrag schon gut tun!

    Die Gastronomiebetriebe stecken auf jeden Falls nicht dahinter, die haben so und so genügend Geschäft im Sommer.

  3. Mathias says:

    @Marco:
    Danke für den Artikel. Mich würde die Sache bezüglich "Privateigentum oder nicht?" stark interessieren, kannst du das vielleicht näher erläutern? Ich habe gesehen, dass du auf Twitter einen Link gepostet hast, aber der ging bei mir – wie alle is.gd-Links – komischerweise nicht.

    @Anonym:
    Und wieso stellt man dann nicht einfach mehr Mistkübel auf oder verbietet zumindest das unsachgemäße Entsorgen des Mülls (darauf könnten die Securitys ja meinetwegen schauen)?

    Ich glaube auch nicht, dass die Gastbetriebe dahinterstecken, kann mir eine etwaige Motivation durch die Geschäftsführung des MQ diesbezüglich aber vorstellen (mehr Umsatz = mehr Mieten).
    Über die Hintermänner und -gedanken zu spekulieren bringt meiner Meinung nach aber ohnehin nichts, der Kern der Sache ist ein prinzipieller: Hier wird so getan, als handle es sich bem MQ um Privateigentum, das "gnädigerweise" vom Volk betreten werden darf, obwohl es massiv Steuergelder bezieht. Demzufolge hat – meiner Meinung nach – auch der "einfache Bürger" ein Bleibe- und Mitspracherecht, was am besten dadurch realisiert wird, dass möglichst wenig Verbote ausgesprochen werden.

    Entlarvend finde ich zudem, dass das MQ auf der von Marco verlinkten Seite einerseits behauptet, es gäbe kein Alkoholverbot (was ja auch stimmt), andererseits das Mitbringen alkoholischer Getränke eben nicht nur mit vermehrtem Müllaufkommen, sondern auch mit angeblicher "Randale" und "Exzessen" begründet. Abgesehen davon, dass in dem Fall ja wirklich die Polizei eingreifen könnte: Glauben die Damen und Herren des MQ wirklich, man könne sich nicht auch mit dort Gekauftem zubechern?

  4. Anonymous says:

    Das MQ bekommt aber seine Subventionen für Instandhaltung, Kunst- & Kulturprogamm und nicht für Sicherheitsbeauftrage und Müllentsorgung!

    Es is absolut genial, dass sich das MQ so zu einer Stadtinsel entwickelt hat. Aber grad früh am Morgen sieht man, dass es etliche wohl arg ausnützen.

    @ Mathias, ich geb dir recht, würds auch sinnvoll finden, dass Sie z.b.: aufkleber anbringen, den Müll zu entsorgen, etc… is halt sicher mühsamer und umständlicher.(papierkübel haben sie ja seit diesen sommer mehr angebracht, die meisten lässt das aber kalt.)

    und wie gesagt, es is nun mal rechtlich wirklich öffentlicher raum, wie oft geglaubt wird, sie sind somit ned zwingend dazu verpflichtet.

  5. Anonymous says:

    @ Mathias
    "obwohl es massiv Steuergelder bezieht. Demzufolge hat – meiner Meinung nach – auch der "einfache Bürger" ein Bleibe- und Mitspracherecht"

    Ein Freund von mir ist Polizist, was glaubst du wie oft er hört, dass der zu kontrollierende sein Gehalt bezahlt.

    Nochmal mein Beispiel:
    Geh mit dieser Einstellung, "ich zahle Steuern die dafür verwendet werden, also habe ich ein Mitspracherecht" zum AUA Schalter und verlange als Mitfinanzier des Unternehmens einen Freiflug, bezahlt hast du ja schon..

  6. Marco Schreuder says:

    Also die Idee mit dem Freiflug der AUA gefällt mir gut.

    Nochmal zum MQ:

    Dass dieser Ort eine öffentliche Bedeutung und somit auch öffentlich ist, steht ja wohl außer Frage. Sehr viel Steuergeld fließt ins MQ und den darin befindlichen Organisationen.

    Jedenfalls finanziert sich die MQ BetriebsgesmbH zu 75% aus Bundesmitteln und zu 25% aus städtischen Mitteln.

    Grundbesitzerin des Geländes ist die Republik Österreich.

    Liebe Grüße,
    Marco

  7. Marco Schreuder says:

    @Mathias hier noch einmal der ganze Link – ohne is.gd. Da steht das mit dem "Privatgrund", was ich gar nicht verstehe.
    http://www.mqw.at/index.php?page_id=4

    Hier außerdem meine heutige Aussendung dazu:
    http://www.ots.at/presseaussendung.php?schluessel=OTS_20090610_OTS0101&ch=politik

  8. Anonymous says:

    Hallo Marco,

    also ich bin immer wieder gern im MQ, nicht zuletzt wegen der entspannten Stimmung da. Nur letztens musste ich ansehen wie ein paar Jugendliche, ich schätze die waren noch keine 15 Jahre alt, so betrunken waren, dass einer dort zu Boden kam und seine Kumpels kaum noch in der Lage waren, ihn vom Ersticken durch sein Erbrochenes zu bewahren.

    Bei Aufkommen dieses Verbots ist mir dieses Erlebnis sofort in den Sinn gekommen. Ich denke, dass es wahrscheinlich nicht die richtige Vorgangsweise ist. Trotzdem finde ich, dass man nicht einfach tatenlos zusehen kann, wie sich so Halbwüchsige bis zur Bewusstlosigkeit betrinken. Dabei geht's mir nicht darum, dass ich solche Kinder nicht mehr im MQ sehen möchte (die würden sich einfach wo anders betrinken), sondern dass eine Gesellschaft, wie ich sie mir wünsche, versucht Jugendliche vor dem AlkoholMISSbrauch zu schützen – auch im MQ.

    LG Chris

  9. Mathias says:

    @Marco:
    Danke, aber erwartungsgemäß werde ich daraus auch nicht schlauer – da geht es uns wohl beiden so. ;)

    @Anonym 1:
    Instandshaltung, das ist es ja. Die Verwaltung des MQ bekommt ja nicht nur Geld für das subventionierte Kunstprogramm, sondern auch dafür, dass das ganze Areal in seiner jetzigen Form bestehen bleibt. Gerade dadurch ergibt sich meiner Meinung nach aber eine Öffentlichkeit, die mit der gewöhnlicher Straßen, Parks oder Plätzen vergleichbar ist. Diese werden ja auch lediglich instand gehalten, gelten aber ganz selbstverständlich als öffentlicher Raum.

    @Anonym 2:
    Naja, was dein Freund gesagt bekommt, stimmt ja irgendwie auch, oder? Er bekommt vom Staat, d.h. letztendlich von uns Bürgern eine Aufgabe zugeteilt (Sicherheit wahren) und dementsprechend natürlich eine finanzielle Vergütung. Solange er diese Aufgabe erfüllt, wofür manchmal eben auch der, der für diese Dienstleistung teilbezahlt, das Nachsehen haben muss, hat das aber alles seine Berechtigung.

    Was ist nun die Aufgabe des MQ, das ja ebenfalls von den Bürgern zumindest teilweise bezahlt wird? Nun, einerseits ein vielfältiges Angebot an Kunst und Kultur zu bieten – da kann man der Verwaltung keinerlei Vorwürfe machen -, andererseits aber auch das Zurverfügungstellen eines öffentlichen Erholungsraumes. Und wenn in dieser Hinsicht dann Regeln aufgestellt werden, die nicht im Sinne der Öffentlichkeit, sondern in dem der dortigen Gastwirte sind, läuft schlichtweg etwas falsch.

    Der AUA-Vergleich ist jedenfalls etwas komisch. Abgesehen davon, dass ich sowieso gegen Staatsunternehmen bin, sollte natürlich auch die AUA – sofern sie Staatsgelder bezieht – im Sinne der Öffentlichkeit handeln. Konkret bedeutet das meiner Ansicht nach (und das lässt sich auch aufs MQ übertragen), die Bürger mit so wenig Vorschriften und Regeln wie möglich zu belästigen, d.h. ihnen so viel Freiraum wie möglich zu lassen.
    Wie das bei einem AUA-Flug umgesetzt werden kann, weiß ich nicht, aber ich bin ja auch nicht der Ansicht, dass Österreich eine eigene Fluglinie benötigt. Österreich benötigt allerdings öffentliche Plätze, die von allen Bürgern voraussetzungslos benutzt werden dürfen und auf denen all das gemacht werden darf, was auch sonst legal ist. Es ist legal, auf der Straße eigenes gekauftes Bier zu trinken. Es ist legal, sein Fahrrad durch den Park zu schieben. Warum also nicht im MQ?

    @Anonym 3:
    Du meinst also wirklich, es sei Aufgabe des MQ (und nicht etwa die der Erziehungsberechtigten oder womöglich auch der Schule), Jugendliche vom Saufen abzuhalten?
    Immerhin: Du bist nicht einer dieser Konservativen, die "so etwas nicht sehen wollen". Das spricht für dich. Aber andererseits: Wieso sollte es die gemäßigten, verantwortungsvollen Besucher des MQ betreffen, womit irgendwelche dummen Jugendlichen ihre Freizeit verbringen? Wieso muss die Mehrheit aufgrund einer Minderheit an "Kampftrinkern" ihre Rechte einbüßen?

Kommentar hinterlassen

*