BlogDay 2009

Heute ist BlogDay, und da sollich nun fünf Blogs erwähnen, die ich gerne lese. Nun lese ich ja mehrere Blogs sehr gerne, daher ist das eine Wahl, die ich heute ganz spontan und nach heutiger Laune mache. Und es tut einem immer leid, die Blogs nicht erwähnt zu haben, die man trotzdem gerne liest. Aber am 31.8.09 schaut es spontan so aus:

Dieser Blog von Oliver Ritter ist inhaltlich verwandt mit meinem Blog, wenn ich das mal so behaupten darf. Es geht sehr viel (aber nicht nur) um die Gleichstellung von Lesben und Schwulen. Der Blog versteht es augezeichnet, die Logik einer Gleichstellung nicht als ein nettes Zeichen der Politik zu verstehen, sondern als grundsätzliches Menschenrecht. Sehr empfehlenswert.
Gerald Bäcks Blog ist immer eine Herausforderung. Er ist einer der Querdenker, der mitunter etwas provokativ formuliert, um eine Diskussion zu erzeugen, die es in sich hat. Und genau das ist die Qualität vom BäckBlog. Man mag nicht immer einer Meinung sein, aber genau das ist doch das Spannende an der Blogosphäre. Aus meiner Sicht ein must-read für alle, die politischherausforderndes Denken mögen.
Max Kossatz gehört zu den bekanntesten Bloggern Österreichs. Und das hat seinen guten Grund. Sein Zugang zu Kultur, Medien und Politik sind erfrischend, spannend und er bringt viele Themen auf den Punkt.

Ich wollte dann doch auch einen Blog eines/einer Grünen Kolleg_in erwähnen. Da musste ich wirklich am längsten nachdenken, wen ich aussuche. Natürlich lese ich diese Blogs alle intensiv und gerne, aber dann entschied ich mich doch für den Blog vom Abgeordneten zum Nationalrat Harald Walser. Sein Themenmix und gut formulierte Zugänge zur Bildungspolitik sind einfach hervorragend! Ein gutes Beispiel, wie politische Kommunikation funktioniert kann und soll.

Homosexualität: Wider der Natur!

Die Natur hat’s nicht so eingerichtet! So argumentiert VP-Abgeordneter Nikolaus Prinz, warum lesbische und schwule Paare nicht gleichgestellt werden sollten. Im Blog think outside your box findet sich dazu ein hervorragender Eintrag, der mich wiederum zu diesem inspirierte.

Denn diese Widernatürlichkeiten, Perversitäten, Gottlosigkeit und Degeneriertheit (Untergang des Abendlandes!) dieser homosexuellen Grauslichkeiten ist ja echt das Letzte. Da stehen einem ja die Schamhaare zu Berge! Wo kommen wir denn da hin?
  • Diese Gottlosigkeit des Storchenpaares Holger und Edgar etwa. Die zwei männlichen Störche lebten doch tatsächlich 16 Jahre gemeinsam im Osnabrücker Zoo. Als ein gottloser Blasphemiker spaßeshalber ein Pinguin-Ei ins Nest legte, brüteten sie dieses schamloserweise abwechselnd. Ein gottesfürchtiger Fuchs riss Holger eines Tages. Nach einem Jahr Trauer lernte Edgar den Storch Norbert kennen. Gemeinsam bauten sie ein Nest. Rosa Flamingos wurden in einem britischen Zoo ebenfalls in solch sodomistischen homo-perversen Verhältnissen beobachtet.
  • Im Kölner Zoo widerum wird die Unnatürlichkeit dieser Welt bei einer Pinguin-Kolonie auf widerlichste Art und Weise demonstriert. Pinguine sind an und für sich gottesfürchtige Wesen und leben in Partnerschaften treu und lebenslang zusammen. So wie sich’s gehört! Dass es in der Kolonie auch ein gleichgeschlechtliches Paar gibt, die von der Kolonie akzeptiert wird und die ihre Kolonie mit verteidigt, darf als Beweis gelten, dass die Antarktis noch nicht genug missioniert wurde.
  • Delphinweibchen schieben ihre Flossen mitunter in den Genitalschlitz der Partnerin.
  • Delphinmännchen hingegen missbrauchen das Blasloch ihrer männlichen Kollegen und schieben dort ihren Penis hinein. Da sieht man, dass unsere Flipper und Flipperinnen dieser Welt völlig unnatürlich sind. Delphine sind sowas von wider der Natur!
  • Dass der afrikanische Kontinent auch von den westlichen Werten unterzugehen droht, beweisen Giraffenmännchen. Es wurden welche beobachtet, die sich liebevoll den Hals umeinanderlegen.
  • Schwule Schwäne sind überhaupt das Letzte. Das gibt es Paare, die verjagen Heteros, um an deren Kindern ranzukommen und großzuziehen.
  • Zwergschimpansen beweisen, dass Mensch und Affe unmöglich verwandt sein können, und dass die Adam-und-Eva-Theorie wahrscheinlicher ist. Manche von diesen Zwergenschimpansen saugen nämlich am Penis von anderen Männchen.
  • Man muss es ja nicht gleich machen wie die Bonobos. Die scheinen alles zu vögeln, was zu vögeln ist. Ich meine jetzt nicht Vögel, sondern andere Bonobos, Geschlecht egal.
  • Besonders fies sind Silbermöwen. Oder besser die Silbermöwinnen. Manche von denen gaukeln Heterosexualität vor und lassen sich von Männchen befruchten. Aber was machen diese blasphemischen und betrügerischen Weibchen? Sie gehen sofort zu ihren Lebensgefährtinnen und ziehen die Kinder mit denen auf!
  • Austernfischer wurden bei Dreier beobachtet. Widerliches bisexuelles Pack! Da braucht es eine neue Moralenzyklika, oder wie das heißt… Benedikt, tu was!
  • Tatächlich hatte ich in meiner Schulklasse in Bad Ischl eine Kollegin. Die hatte einen schwulen Hund mit dem Namen Peppino. Der interessierte sich nur für Männchen. Als ich öfter mit ihm spazieren ging, war ich dann doch überrascht, wie viele andere Hundemännchen sich auch für ihn interessierten.
Tatsächlich wird Homosexualität in der Natur erst seit kurzem erforscht – was erstaunlich ist, wenn man bedenkt, wie lang sich der Mensch seid Freud und Co. schon darüber Gedanken macht, wie denn das alles nun zu verstehen sei. 1999 erschien das Buch Biological Exuberance – Animal Homosexuality and Natural Diversity vom Biologen der University of British Columbia Bruce Bagemihl.
Das Osloer Naturhistorische Museum kannte die Arbeit von Bruce Bagemihl und Joan Roughgarden (Transsexuelle Biologinnen gibt es nämlich auch) und eröffneten im September 2007 die Ausstellung Against Nature? Dort wurden die 1500 Spezies gezeigt, bei denen homosexuelle Handlungen – vom bloßen kurzfristigen Vergnügen bis lebenslange Partnerschaften – nachgewiesen werden konnten.
Das wäre doch mal was für das Naturhistorische Museum in Wien! Ich würden alle von der ÖVP und die gesamte Bischofskonferenz einladen…

Ein Teil der oben genannten Verhaltensweisen von Tieren habe ich dem Buch Anderes Ufer, andere Sitten (von Ariane und Björn Grundies) entnommen. Ein hervorragendes Buch, nämlich eine Gebrauchsanleitung für Heteros! Erschienen im Deuticke Verlag und sehr empfehlenswert! ISBN 3-552-06050-2 

Klimawandel und Geschichtschreibung. Zum Beispiel das Jahr 1816.

Dass der Klimawandel nach wie vor ein brandaktuelles und akutes politisches Thema ist, brauche ich auf einem Blog eines Grünen Politikers wohl nicht näher erläutern. Was aber auffällt: Wir beschäftigen uns vorwiegend – und das durchaus zu Recht – mit der Zukunft. Zukunft ist aber immer etwas Ungewisses, etwas, dass man bestenfalls erahnen kann. Wie sieht es aber mit der Vergangenheit aus? Gibt es Ereignisse, aus denen wir Lehren ziehen können? Ereignisse, die auch Menschen betraf und nicht nur etwa Dinosaurier?


In diesem Sommer hatte ich das einzigartige Erlebnis, ein ganz neues, kleines aber feines Vulkanmuseum zu besuchen, das Eldfjallasafn Volcano Museum in Stykkishólmur. Auf der isländischen Halbinsel Snæfellsnes befindet sich einer der berühmtesten Vulkane der Welt, der Snæfellsjökull. Dieser beeindruckende Berg inspirierte schon viele Menschen, unter anderem Jules Verne, der hier seine
Reise zum Mittelpunkt der Erde beginnen ließ. Aus dem kleinen Städtchen Stykkishólmur stammt auch der Vulkanologe Haraldur Sigurðsson, der kleine Objekte und künstlerische Darstellungen von Vulkanen aus seiner Privatsammlung in diesem Museum zeigt und liebevoll interessierte Menschen durch das frühere Kino führt. Es ist sicher kein mit großen Naturhistorischen Tankern und deren Sammlungen vergleichbares Museum, aber ein persönliches Museum mit einer Passion – und einer Botschaft!

Zuerst aber zum Hintergrund: Haraldur Sigurðsson ist international anerkannter Experte und hat zahllose Vulkane erforscht und wurde auch durch sein Buch Melting the Earth bekannt. Seine wohl aufregendste, spannendste und bahnbrechendste Erforschung fand am Vulkan Tambora auf der indonesischen Insel Sumbava, östlich von Java gelegen, statt. Haraldur fand heraus, dass 1815 der größte Vulkanausbruch in historischer Zeit stattfand und dieses Ereignis die darauf folgenden Jahre globale und verheerende Auswirkungen hatte. Er konnte somit vulkanologisch die ersten Ergebnisse des Klimaforschers William Humphreys aus dem Jahr 1920 bestätigen. Nebenbei grub er auch verschüttete Reste einer untergegangenen Kultur auf der Insel aus.
Das Jahr 1816 wurde in Nordamerika umgetauft und eightteenhundred and frozen to death genannt. In Europa wird 1816 das Jahr ohne Sommer genannt. Was war passiert? Der Tambora brach im April 1815 aus. Asche, Staub und Schwefelverbindungen wurden in einem in historischer Zeit noch nie dagewesenen Ausmaß in die Atmosphäre geschleudert. Wie ein Schleier legte sich das Material um den Erdball – mit verheerenden Folgen für die Folgejahre.
Europa erholte sich gerade von den napoleonischen Kriegen und hatte den Kontinent am Wiener Kongress 1814/15 restrukturiert. Als der Sommer 1816 vor der Tür stand hofften die Menschen auf reiche Ernte. Es passierte aber das Gegenteil. Besonders Westeuropa war vom Jahr ohne Sommer betroffen – in Österreich vor allem Vorarlberg. Das Jahr ohne Sommer dauerte lange und hielt im Grunde bis etwa 1819 an.
Die Auswirkungen des Vulkanausbruchs auf der anderen Seite des Globus sind von historischer und kulturhistorischer Bedeutung:
  • Flüsse traten nach Unwettern immer wieder über die Ufern, insbesondere der Rhein.
  • In den westlichen Alpen – vor allem in der Schweiz und in Vorarlberg – schneite es auch im Sommer. Die Schneeschmelze fand kaum statt. Mit den erneuten Schneefällen im Sommer kam es immer wieder zu Überschwemmungen.
  • Missernten waren eine katastrophale Folge der Unwetter und der Kälte.
  • Die Getreidepreise verdoppelten bis verdreifachten sich.
  • Hungersnot brach aus.
  • Tausende Westeuropäer_innen wanderten deshalb in die USA aus.
  • Reformen in der Landwirtschaft wurden allerortens gemacht, die bis heute Auswirkungen haben. So lässt sich das traditionelle Cannstatter Volksfest in Baden-Württemberg ebenso auf dieses Ereignis zurückführen wie die Errichtung der Universität Hohenheim.
  • Justus von Liebig forschte aufgrund der Missernten und entwickelte die mineralische Düngung.
  • Die Erfindung der Draisine (und somit des späteren Fahrrads) geht auf den Vulkanausbruch zurück, da tausende Pferde starben.
  • Mary Shelley verbrachte ihren Sommer 1816 im Haus von Lord Byron am Genfer See. Das Wetter war so schlecht, dass sie ständig im Haus sitzen mussten. Zum Zeitvertreib schrieben sie Schauergeschichten. Ohne den Vulkanausbruch hätte also Shelleys Frankenstein oder die erste Vampirgeschichte der Welt, Der Vampyr von John Polidori, nicht das Licht der Welt erblickt. Im Gedicht Darkness von Lord Byron wird das Jahr ohne Sommer poetisch beschrieben.
Auch in den USA und Kanada waren die Auswirkungen des Vulkanausbruchs im Jahr zuvor enorm. Nachtfroste im Sommer führten zu Missernten und Hungersnöten. Im August schneite es in Québec 30 cm. Viele Farmersfamilien sahen sich genötigt neues Land zu besiedeln. So verursachte die kleine Insel in Indonesien die Besiedelung von Ohio, Indiana und Illinois.
Zurück zu Haraldur Sigurðsson:
Er durchforstete die Lektüre über die Jahre um 1816 und stellte Erstaunliches fest: Landwirtschaftliche Reformen wurden von Historiker_innen nahezu ausschließlich als Ergebnis von politischen Rahmenbedingungen behandelt; als Konsequenz politischen und menschlichen Handelns. Die Rahmenbedingungen, die seitens des Planeten und der Natur vorgegeben wurden, blieben völlig ausgeklammert. Erfindungen und neue Forschungen, die aus der Not entstanden, wurden nicht auf die Naturkatastrophe zurückgeführt. Auch die Literaturgeschichte erkannte nicht, dass die berühmten Schauergeschichten vom Genfer See ohne den Vulkanausbruch wohl nie geschrieben worden wären.
Das Plädoyer von Stykkishólmur war eindringlich: Die Wissenschaften müssen wesentlich enger zusammen arbeiten und aufeinander achten. Am Ende irritiert aber vor allem dies: Wie weit der Mensch sich bereits von seinem Planeten und der Natur entfremdet hat und glaubt, seine Handlungen, Politik, Erfindungen, Leistungen und Kultur seien vor allem bis auschließlich auf den menschlichen Geist zurückzuführen. Wie groß die Rolle der Natur und die Umwelt dabei spielt, wird vergessen und ausgeklammert.
Mit dem Wissen aber, wie Menschen mit außerordentlichen Naturereignissen und Katastrophen umgegangen sind, lassen sich auch Lehren für die Zukunft ziehen; und natürlich vor allem die Natur wieder stärker in unsere Forschung einbeziehen, denn so kann menschliches Handeln, Tun und Forschen auch die Herausforderungen der Zukunft bewältigen – allem voran den Klimawandel und all seinen damit verknüpften Zweige: Energie, Architektur, Mobilität, Witschaftswissenschaften, Kulturgeschichte, Politik, usw.

 

Dem Casino Baumgarten droht der Abriss. Petition online.

Noch prangt auf dem historischen Casino Baumgarten das SPÖ-Logo, die sich im historischen Gebäude in Wien-Penzing einquartiert hat. Logisch, denn der Eigentümer und somit Vermieter ist der SP-nahe Verband Wiener Arbeiterheime, dessen Geschäftsführer Helmut Laska ist, der Mann der ehemaligen Stadträtin. Dieser Verband läuft einem im roten Filz dieser Stadt immer wieder über den Weg, sei es beim Gewista-Monopol oder bei merkwürdigen Vermietungen im Rathaus (vergleiche dazu den ausgezeichneten Text Freundschaftspiel des Magazins Datum aus 2008).

In den letzten Jahren verfiel das Gebäude zunehmend. Gerüchte machen sich breit: Abriss steht im Raum. Zurecht sorgen sich Anrainer_innen und Kulturschaffende um das brachliegende Juwel. Daher hat sich die Bürger_inneninitiative zur Erhaltung des Casino Baumgartens gebildet. Sie fordern eine kulturelle Nutzung des Areals und des historischen Saals, erbaut in den Jahren 1891/92.
Die Penzinger Grünen unterstützen diese Idee, und so bitte ich auch alle Leser_innen die Initiative zu unterstützen und die Online-Petition zu unterzeichnen. Immerhin ist das Gebäude prägend für den Bezirk und hat eine Bedeutung für ganz Wien. Zudem wird so oft – auch seitens der SPÖ – betont, wie wichtig es sei, Kultur auch in den Außenbezirken zu fördern. Voilà, liebe SPÖ. Hier gäbe es schon engagierte Leute. Man muss nur wollen…

Und hier noch ein Video von wienTV.org zum Baumgartner Casino: