Die Politik und der Alkohol.

Politik und Alkohol. Eine verhängnisvolle Liaison, wie der Tod des Kärtner Landeshauptmanns vor Augen führt. Ehrlich gesagt, habe ich mich über dieses Thema oft den Kopf zerbrochen und wenn ich das Thema mit KollegInnen besprach, wird eigentlich gar nicht so gerne darüber geredet. Ich frage mich zum Beispiel: Könnte ein/eine Nicht- oder Wenig-TrinkerIn je BürgermeisterIn von Wien werden?
Ich bin beispielsweise ein durchaus geselliger Mensch. Ich bin gerne mal unter Leute, diskutiere stundenlang, feiere auch mal spät Nachts (oder Frühmorgens) oder treffe mich mit FreundInnen. Zudem bin ich ein leidenschaftlicher Wahlkämpfer und habe auch außerhalb der Wahlen viele Einladungen zu Abendveranstaltungen, Vernissagen, Premierenfeiern, usw.
Ich trinke aber nicht viel. Ich vertrage nicht viel Alkohol. Ich bin nicht gerne betrunken. Ich habe den Vorteil in Wien nicht Auto fahren zu müssen, könnte also durchaus mal über die Strenge schlagen. Ich mag es aber schlichtweg nicht. Am schlimmsten sind ja die nächsten Tage. Man muss ja wieder aufstehen, Termine vormittags wahrnehmen, fit und vorbereitet sein… und da tut ein Brummschädel nicht gut. Ich trinke ganz gerne hie und da ein Bierchen oder ein Gin-Tonic. Aber nach zwei Gläser ist für mich meist schon wieder Schluss mit lustig.
Und da kommt aber der gesellschaftliche Zwang zum Tragen. Man steht mitten in einer Menge, diese Menschen wiederum wissen, dass man Politik macht, und laden einen ein. Man will ja nicht fad wirken oder abweisend wirken (Ja! Man will gewählt werden – zugegeben – so ist das!) und man geht das Risiko schon mal ein, lässt sich überreden und trinkt dann das Zeug runter und denkt sich insgeheim: „Ich will das jetzt gar nicht.“ Und wenn ich dann mal ablehne und höflich sage: „Auf ein Mineralwasser gerne!“ wird man angeschaut, also ob man von einem anderen Planeten stammt.
Ich kenne das aber noch aus meiner Studentenzeit, als ich durch Barkeeping mein Studium finanzierte. Auch dann laden die Gäste dich dauernd ein. Man muss mittrinken. Hätten diese Gäste das Geld, was sie für meinen Drink bezahlten, halbiert und mir als Trinkgeld gegeben, wäre es für sie günstiger gewesen und für mich auch angenehmer. Als Student konnte ich 20 Schilling besser brauchen als vier Vodka. Aber so funktioniert das nunmal nicht. Auch auf ein Cola oder ein Mineralwasser wollte mich niemand einladen. Die Gäste brauchten wohl mich als Mittrinker um ihr eigenes Trinken irgendwie zu entschuldigen oder zu rechtfertigen.
Ein Politiker, der bei all den Gelegenheiten nicht mittrinkt, gilt als suspekt. Es wäre wirklich an der Zeit, dass sich das ändert. Dafür muss sich aber die ganze Kultur des Landes ändern. Schwierig…
Ich habe heute beschlossen mich nicht mehr überreden zu lassen. Ob mir das dann wirklich gelingt?

2 Gedanken zu „Die Politik und der Alkohol.“

  1. Schön, dass Du das mal ansprichst. Ich bin zwar nicht wirklich in der „hohen“ Politik tätig, aber auch im täglichen Leben hat mensch es als Nicht- bzw. Kaumtrinker schwer. Grade die Leute, die es „gut“ meinen („trink ma an miteinander“) sehen nicht, wie mühsam es sein kann, da dann dauernd ablehnen und sich dann dafür auch noch rechtfertigen zu müssen. (Eine antialkoholische Alternative wird oft nicht akzeptiert, weil das macht ja keinen Spaß.)

    Ich wünsche Dir viel Ausdauer und Kraft für Dein Vorhaben, Dich nicht überreden zu lassen.

  2. Schön, dass Du das mal ansprichst. Ich bin zwar nicht wirklich in der „hohen“ Politik tätig, aber auch im täglichen Leben hat mensch es als Nicht- bzw. Kaumtrinker schwer. Grade die Leute, die es „gut“ meinen („trink ma an miteinander“) sehen nicht, wie mühsam es sein kann, da dann dauernd ablehnen und sich dann dafür auch noch rechtfertigen zu müssen. (Eine antialkoholische Alternative wird oft nicht akzeptiert, weil das macht ja keinen Spaß.)

    Ich wünsche Dir viel Ausdauer und Kraft für Dein Vorhaben, Dich nicht überreden zu lassen.

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