Wenn die Autos verschwinden.

Bill McGraw, ein Journalist und Kolumnist von The Detroit Free Press, veröffentlichte gestern einen interessanten Kommentar in der New York Times (hier). Darin erinnert er, was passiert, wenn die Autos verschwinden. Oder vielmehr die Auto-Industrie, am Beispiel Detroits.1956 schloss die Packard Motor Car Company ihre Fabrik., die damals schon – 1903 gegründet – eine 53-jährige Geschichte in der so genannten Motor City hatte. Packard war vor allem für ihre großen und luxeriösen Autos bekannt, die bei Staatschefs genau so beliebt waren, wie in der berüchtigten Gangster-Welt Chicags der 30-er Jahre. Zusätzlich war Packard mit der Entwicklung von Flugzeug-Motoren erfolgreich, die im Zweiten Weltkrieg in britischen und amerikanischen Militär-Flugzeugen zu finden waren. Nach dem Weltkrieg änderte sich aber der Geschmack der Konsument_innen. Die Nachfrage nach luxuriösen Autos nahm dramatisch ab.Deshalb fusionierte Packard 1954 mit Studebaker. Das half allerdings auch nicht viel. 1956 erschien der letzte Packard (beworben im Video oben). Noch im selben Jahr wurde die Fabrik in Detroit geschlossen. Packard überlebte weitere zwei Jahre bei Studebaker, aber 1958 wurde der Firmenname endgültig zu Grabe getragen.Die Packard-Geschichte hinterlässt bis heute eine Wunde in Detroit. Die große Fabrikanlage steht, an der East Grand Boulevard gelegen, nach wie vor in der Stadt und wird nur in kleinen Ecken genutzt. Weder eine wirtschaftliche noch eine kulturelle Alternative (abgesehen von Graffiti-Kunst) konnte für den Ort gefunden werden (siehe Video unten).Die Geschichte der verlassenen Fabrik – immerhin erbaut vom berühmten Architekten amerikanischen mit deutsch-jüdischen Wurzeln Albert Kahn – zeigt die verzweifelte Suche einer selbst ernannten Auto-Stadt nach neuen Nutzungen und Möglichkeiten, und allem voran deren Scheitern.Hat Detroit verabsäumt die Zeichen der Zeit zu erkennen und zu lange daran festgehalten, die Auto-Stadt zu sein? Und was kann aus dieser Geschichte für andere Auto-Produktionsstätten heißen?Packard ging unter, weil sie selbst – damals in den 50-er Jahren – die Zeichen der Zeit übersah. Die US-amerikanische Autoindustrie dürfte im frühen 21. Jahrhundert das selbe Schicksal drohen, wenn nicht bald auf neue Richtlinien wert gelegt wird und Bahnbrechendes für die Zukunft entwickelt wird: Leichte Fahrzeuge mit wenig Verbrauch, Investitionen in neue Technologien, vorzugweise ohne Öl. Aber das gilt wohl für die weltweite Autoindustrie.Denn wenn der Individualverkehr eine Zukunft haben will, dann wohl ohne Öl.So sieht das Packard-Gelände heute aus:

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