1988 kam ich mit 19 nach Wien. Auf Wiedersehen, Bad Ischl. Mein Plan war klar: Kunstgeschichte studieren. Ich wollte eintauchen in diese Stadt, die um 1900 vor Kreativität und Widerspruch explodiert war. Schiele, Klimt, Kokoschka, das Rote Wien, die Secession – ich liebte alles daran.
Drei Jahre lang studierte ich Kunstgeschichte. Ich arbeitete bereits an einer Seminararbeit über Eugène Delacroix und seine Faust-Illustrationen, als mir etwas dazwischenkam: das Max Reinhardt Seminar nahm mich auf. Theaterregie. Nur drei Bewerber wurden aufgenommen. Natürlich sagte ich Ja – man sagt Ja, wenn einen eine Kunsthochschule will. Und doch erinnere ich mich noch genau daran, wie ich schon im ersten Semester dasaß und vor mich hin grübelte: Wäre Kunstgeschichte nicht doch das, was dir mehr liegt?
Eigentlich wollte ich Opern inszenieren. Ich liebte die Oper. Oder Burgtheaterchef werden. Ich war 21, und die Zukunft lag noch vor mir.
Was danach kam, war ein langes, reiches Leben voller merkwürdiger Wendungen, Kurven und Loopings. Nur eben nicht das Leben, das ich 1988 im Kopf hatte, als ich von Bad Ischl nach Wien zog. Journalismus. Politik (bis Sommer 2025). Selbstständigkeit. Song Contest. Und vieles andere. Kunstgeschichte lag plötzlich sehr weit zurück.
Bis Herbst 2025.
Es war Zufall. Ich war im Egon Schiele Museum in Tulln. Zwei Frauen waren ebenfalls dort, wir kamen ins Gespräch, und ich erzählte von einer Idee: einem Podcast über Egon Schiele. Die eigentliche Idee dahinter verrate ich noch nicht. Da kommt noch etwas.
Aber die erste Staffel ist jetzt da.
RIVALEN. Schiele. Kokoschka.
Eine Mini-Serie in sechs Episoden. Der Begleitpodcast zur Ausstellung Schiele. Kokoschka – Rivalen im Egon Schiele Museum Tulln. Zeitgleich läuft im Kokoschka Museum in Pöchlarn eine Ausstellung über die Netzwerke der beiden Künstler.
Mir war sofort klar, dass ich diesen Podcast nicht alleine machen wollte. Also schrieb ich der Kunsthistorikerin und Kulturpublizistin Nina Schedlmayr vom feministischen Kunstblog artimisia.
Entstanden ist der Podcast im Auftrag des Egon Schiele Museums Tulln.
Der Podcast fragt: Wie war das eigentlich mit dieser Rivalität? Was steckt hinter den Netzwerken, den Briefen, den Galerien, den Frauen, die porträtiert wurden, oft ohne selbst gefragt zu werden? Und die Frage, die uns sechs Episoden lang nicht losgelassen hat: Haben Schiele und Kokoschka einander jemals wirklich getroffen, obwohl Kokoschka das zeitlebens bestritt?
Ich war Schiele-Pate, Nina Kokoschka-Patin.
Was ich nicht erwartet hatte: wie viel ich dabei lernen würde. Nicht nur über diese beiden Männer, ihre Strategien, Netzwerke und Eitelkeiten. Sondern auch darüber, wie man Kunst betrachtet, wenn man einen feministischen Blick mitbringt. Wessen Geschichte wird erzählt? Wer steht im Bild – und wer hat das Bild gemalt? Wer profitiert vom Ruhm, und wer bezahlt den Preis?
Das sind Fragen, die ich heute nicht mehr ausblenden kann, wenn ich vor einem Gemälde stehe. Das war Ninas Beitrag zu meiner Ausbildung. Und ich bin dankbar dafür.
1988 wollte ich Kunstgeschichte studieren. Jetzt habe ich es halt auf Umwegen getan. Ein Umweg, der 37 Jahre dauerte und durch eine Stadt, eine Bühne, den Journalismus und die Politik führte – zurück zu den Bildern.
Manchmal ist der Umweg der eigentliche Weg.
Alle sechs Episoden gibt es hier:
egonschiele.transistor.fm
Oder auf allen gängigen Plattformen wie Apple Podcasts, Spotify, Deezer oder Amazon Music. Links dazu auch im Link oben.
Trailer:
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Grafik: Egon Schiele Museum Tulln. © Oskar Kokoschka, Die Bachkantate – Selbstbildnis (Brustbild mit Zeichenstift), 1914 © Fondation Oskar Kokoschka / Bildrecht, Wien 2026, Ausschnitt; Egon Schiele, Selbstporträt mit Pfauenweste, Sammlung Ernst Ploil, Wien, Ausschnitt