Kunstermittlung: Was Museen mit Podcasts erreichen können

Podcasts sind in den letzten Jahren zu einem festen Bestandteil der Museumskommunikation geworden. Und trotzdem: Viele Häuser setzen sie falsch ein – oder unterschätzen schlicht, was mit dem Format möglich wäre: Kunstermittlung in der Kunstvermittlung.

Das Fachgespräch als sichere Bank

Die meiste Zeit greifen Museen bei Podcast-Projekten zu einem bewährten Muster: zwei Expert:innen im Gespräch, fertig. Das ist legitim, sehr oft enorm informativ, aber in seiner Wirkung meist auch für ein bereits kunstinteressiertes Publikum gedacht. Nichts falsch daran.

Aber genau darin liegt auch die verpasste Chance. Ein Podcast kann Geschichten erzählen, Spannung aufbauen, Menschen mitnehmen, die sonst nie freiwillig einen Museumstext lesen würden. Wer sich auf das Fachgespräch beschränkt, nutzt das Format – aber nicht sein eigentliches Potenzial.

Das Beispiel „Rivalen. Schiele. Kokoschka“

Bei „Egon Schiele. Der Podcast“ und seiner ersten Staffel „RIVALEN. Schiele. Kokoschka.“ für das Egon Schiele Museum Tulln haben wir bewusst einen anderen Weg gewählt: eine Erzählstruktur rund um eine zentrale Frage: Haben sich Schiele und Kokoschka jemals wirklich getroffen, wie Kokoschka selbst zeitlebens bestritt? Sechs Folgen, ein Spannungsbogen, ein Rätsel, das sich erst in der letzten Folge auflöst. Kunstgeschichte als Ermittlungsarbeit, nicht als Vortrag.

Ein ähnlich mutiger Weg zeigt sich bei „Blinded by Rembrandt“ des Städel Museums in Frankfurt am Main. In vier Folgen nähert sich Moderator Michel Abdollahi einem zentralen Werk der Sammlung, Rembrandts „Die Blendung Simsons“, und macht daraus eine mehrstimmige Spurensuche – mit Gesprächspartner:innen aus Kunst, Sport, Unterhaltung und Gesellschaft. Statt einer klassischen Werkbeschreibung wird das Bild zum Ausgangspunkt für Gespräche über Sehen, Gewalt und das Fremde. Auch hier: kein Fachgespräch, sondern eine Reise mit einem Moderator, der selbst neugierig fragt.

Die andere Seite: Falsche Erwartungen

Genauso oft beobachte ich das Gegenteil: Museen wagen den Schritt zum erzählerischen Format – und sind am Ende enttäuscht, wenn „nur“ ein paar Hundert oder einige Tausend Menschen zuhören.

Das ist ein Denkfehler. Würde dasselbe Museum eine Vortragsreihe veranstalten, zu der 100 Menschen live erscheinen, wäre das ein voller Erfolg (und meist auch teurer). Bei einem Podcast mit denselben oder mehr Zuhörer:innen wird plötzlich mit anderen Maßstäben gemessen – oft mit denen von Radiosendern oder viralen Formaten, die überhaupt nicht vergleichbar sind.

Man muss Podcasts als das sehen, was sie sind: ein Vermittlungsformat mit langer Halbwertszeit, das über Jahre hinweg gefunden wird, das archiviert bleibt, das Menschen in völlig unterschiedlichen Lebenssituationen erreicht – beim Pendeln, beim Spazierengehen, beim Einschlafen oder beim Staubsaugen. Wer das an kurzfristigen Reichweiten misst, verschenkt auch hier eine Chance: nämlich die, das Format richtig einzuordnen und entsprechend geduldig zu bewerten.

Fazit

Podcasts können in der Kulturvermittlung sehr viel mehr leisten als das reine Fachgespräch – wenn man ihnen erzählerisch vertraut, sie tatsächlich für die „Kunstermittlung“ einsetzt. Und sie brauchen einen realistischen Maßstab, um als das erkannt zu werden, was sie sind: ein nachhaltiges, oft unterschätztes Vermittlungsinstrument.

Als Podcaster und Kulturvermittler berate ich Museen und Kultureinrichtungen gerne bei Konzeption und Umsetzung eigener Podcast-Projekte – von der ersten Idee bis zur fertigen Produktion.

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