Malmö, ich komme! Meine Top 10.

Nachdem ich 2012 auf derstandard.at aus Baku bloggen konnte, werde ich auch dieses Jahr wieder aus Malmö bloggen.

Und nachdem nunmehr alle Beiträge des diesjährigen Eurovision Song Contests fest stehen, mein erstes Fazit und meine Top 10. Man kann aber ruhig behaupten, dass dieser Jahrgang nicht der Beste dieses Jahrzehntz werden wird. Eher das Gegenteil davon.

Aber hier mal meine Top 10 Beiträge für die Ausgabe 2013:

Meine 12 Punkte gehen an Ungarn für dieses wunderbare Stück Musik über die Liebe. Kedvesem heißt nichts anderes als “Mein Schatz” oder “Sweetheart”.

10 Punkte an niederländische Vögel, die nicht fliegen.

8 Punkte an Norwegens Liebesfütterung.

7 Punkte an der lässig-unwahren Ska-Behauptung Alkohol sei frei aus Griechenland.

6 Punkte an Italiens Versuch das Essenziale zu besingen.

5 Punkte an Islands Behauptung, dass man ein Leben hat.

4 Punkte an Österreichs scheinenden Beitrag.

3 Punkte an Schweden-Pop, mehr für die Komposition, weniger für die Stimme.

2 Punkte an Dänemarks Tränen.

1 Punkt an San Marinos Doppelpack – zwei Lieder in einem. Und das ein Ralph Siegel-Lied in meinen Top 10 landet, überrascht mich sogar selbst.

PlanetRomeo: Ein stiller Internet-Gigant wird 10.

PlanetRomeo 2012Im Oktober 2002 tüftelten ein paar schwule Jungs in Berlin rum und machten eine Dating-Plattform. Gayromeo hieß das Ergebnis. Dabei gab es damals schon einiges an Plattformen und durchaus Konkurrenz, allem voran das britische Portal Gaydar. Dass PlanetRomeo, wie das einstige GayRomeo mittlerweile heißt, zu ihrem 10. Geburtstag 1,4 Millionen User haben würden und mehr als nur eine reine Dating-Plattform sein würde, hätten sie damals bestimmt nicht erwartet. Aber auch nicht, dass die mobile Internet-Welt durchaus für neue Herausforderungen und Schwierigkeiten sorgen werden würde. 10 Jahre später gibt es auch bereits alternative Namen für Planetromeo: Die blauen Seiten und etwas ironischer:  Das schwule Einwohnermeldeamt. Der Standort ist aus rechtlichen Gründen mittlerweile Amsterdam.

Ohne Marketing zum deutschsprachigen Marktführer

Der Erfolg von PlanetRomeo ist erstaunlich. Denn PlanetRomeo hat nie großes Tamtam gemacht, keine Werbungen, keine Marketing-Strategien, sondern stellten eigentlich nur eine Website online. Der Trick und das Geheimnis des Erfolges lag anfangs wohl einfach darin, dass man unlimitiert Profile anschauen konnte und unlimitiert Messages schicken konnte. Eine Bezahl-Version gab es zwar kurz nach Gründung, die einige (etwa nicht jugendfreie) Vorteile bot, die Gratis-User aber trotzdem weiterhin eine komfortable Usability garantierte.

Politik

Politisch zeigte sich das Portal auch. User, die in Staaten leben, in denen Homosexualität nach wie vor unter Strafe steht, bekamen kostenlosen SSL-Zugang. Deutsche oder österreichische User müssen dafür etwa die Bezahl-Version in Anspruch nehmen. Aids-Aufklärung ist mittlerweile auch Bestandteil von PlanetRomeo, dafür haben sie allerdings das aktive Suchen nach unsicheren Sex nie verboten.

Mehr als Dating

Branchenbücher mit Lokalen, Shops, etc. und tausende Clubs, die von Politik bis Star Trek, von Aquaristik bis Technik, von Fußball bis sexuelle Vorlieben reichen, ließen PlanetRomeo mehr als “nur” eine Dating-Plattform werden. Man tauscht sich mittlerweile über alles mögliche aus. Zudem bot PlanetRomeo eine einfache Möglichkeit User als Favoriten zu markieren und so ständig mit seinen Freunden in Kontakt zu bleiben, egal ob aus der eigenen Stadt oder in einem fernen Land – lange bevor es Facebook gab!

Auch als Kommunikationsplattform für öffentliche Personen wurde das Portal genutzt: Der deutsche Grüne Volker Beck bot 2005 etwa “Bürgersprechstunden” auf PlanetRomeo an.

Die mobile Internet-Welt

Doch in den letzten Jahre drohte PlanetRomeo eine Entwicklung völlig zu verschlafen: Internet wurde zunehmend mobil genutzt und das Design der Website war auf Smartphones einfach vollkommen unbrauchbar. Lange wartete man. Fast zu lange. Zwar hatte ein österreichischer Entwickler eine iPhone-Version gebastelt, die aber von Apple rasch wieder gesperrt wurde, weil es möglich war nicht jugendfreie Darstellungen zu sehen. Doch dann kam die erste offizielle App und seit einigen Tagen eine vollkommen überarbeitete App, die allerdings von Usern heftig kritisiert wird. Man wird sehen, ob sich der bisherige Internet-Gigant hier noch gegen Mobil-Konkurrenten wie Grindr wird behaupten können.

Warum der Erfolg?

Ich glaube, dass der große Erfolg von PlanetRomeo einfach darin liegt, dass die Site nicht perfekt ist, und auch nie perfekt sein wollte. Große monetäre Giganten des Internet wie Parship mit dem Ableger Gay-Parship buttern zwar erhebliche Beträge in Werbung und Marketing, erreichen trotzdem bei weitem nicht die Zahlen von PlanetRomeo. Und wer sich bei einer Konkurrenz anmeldet, hat vermutlich trotzdem zusätzlich ein PlanetRomeo-Profil.

Es waren anfangs schwule Jungs aus der Community, die das Portal aufbauten und das immer noch so. Man hat auf PlanetRomeo nie den Eindruck, ein großer Konzern würde den User umwerben, um Profit zu machen. Und das ist wohl das wahre Geheimnis und der Kern des Erfolgs: Authentizität. Mann bleibt “unter sich”.

Und davon kann jedes Start-Up etwas lernen. Denn man kann auch ganz still und leise ein Gigant werden.

Ein Wiki für die Forschung: Albrecht Dürer und seine Zeit

Screenshot Dürer-WikiBis 2. September zeigt das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg die Ausstellung “Der frühe Dürer”. Für die Dürerforschung war und ist das Museum seit vielen Jahren das Zentrum, ist Dürer doch einer der berühmtesten Nürnberger aller Zeiten. Für die Forschung setzt das Museum mittlerweile auch auf interessante Web-Tools.

Dass Albrecht Dürer zu seiner Zeit bereits ein gefeierter Star war ist hinlänglich bekannt. Daran Schuld war auch das Umfeld der im Spätmittelalter reichen Stadt Nürnberg. Inwieweit das Nürnberger Netzwerk an Patriziern, den Organisationen der Stadt, der wissenschaftlichen Neugier der Stadt (man denke an die erste Sternwarte Europas 1471, die “Schedelsche Weltchronik” 1493, im selben Jahr der Globus von Martin Behaim und natürlich die Taschenuhr von Peter Henlein 1510) eine Rolle spielten: Das war eine Forschungsaufgabe, die neue technologische Möglichkeiten benötigte.

Zahlreiche Forscher_innen hatten Daten, Biografien und Namen erforscht. Diese konnten sie zeit- und ortsunabhängig auf einem Dürer-Wiki eingeben. So gelang es dem Germanischen Nationalmuseum völlig neue Ansätze der Dürer-Forschung zu präsentieren: Wer wohnte wo in Nürnberg? Wer war wie mit wem vernetzt? Wer stiftete wertvolle Kunstwerke an welche Kirche? Wer war mit welchem Nachbar befreundet? Wie waren die Gebäude künstlerisch ausgestattet?

Daraus entstand ein vielschichtes Beziehungsnetzwerk, das auf der Website des GNM bestaunt werden kann. Außerdem kann man dort auch eine alte Ansicht der Stadt Nürnberg aufrufen und herausfinden, wer wo wohnte und mit Mausklick in das Beziehungsnetzwerk eintauchen.

Wikimedia ist wohl ein ausgezeichnetes Tool für die Forschung. Das GNM hat dies bewiesen. Bedauerlich ist lediglich, dass Außenstehende die meisten Forschungsseiten des Wikis – samt Diskussionen – nicht aufrufen können, denn das würde auch ein Riesenfortschritt für die Transparenz von Forschung darstellen. Es wäre ja durchaus interessant zu erfahren, bei welchen Punkten Forscher_innen etwa nicht einer Meinung waren.

Trotzdem zeigt dieses Projekt, wie erfolgreich Social Media auch für die Forschung eingesetzt werden kann.

Wer sich für die Forschung über den jungen Albrecht Dürer interessiert, sei nicht nur die Ausstellung in Nürnberg empfohlen, sondern auch die epoc-Ausgabe 2/2012 empfohlen.

Der Song Contest Blog auf derstandard.at

Ab heute werde ich auf derstandard.at aus Baku bloggen. Der Blog heißt Eurovisions. Der Blog wird nicht nur vieles zum Eurovision Song Contest bringen, sondern sich auch mit dem Land Aserbaidschan und der Politik vor Ort beschäftigen. Ich wünsche allerseits gute Unterhaltung!