Was ich in den kommenden fünf Jahren vorhabe. Teil 1

Nachdem ich diesem Beitrag den ersten fünf Jahren meines Gemeinderatsdaseins gewidmet habe, möchte ich mich nun vor allem den kommenden fünf Jahren widmen. Was gibt’s zu tun? Im ersten Teil die großen Überbauthemen, im zweiten Teil folgen „meine“ Ressorts Netz-, Kultur- und Queerpolitik. Man möge mir verzeihen, dass ich in einem Blogbeitrag nicht detailliert auf alles eingehen kann*. Aber da ich Lust auf Zukunft habe:Die Wahlkampfthemen (wenn man frischen Wind, Jetzt geht’s um Wien bzw. Er glaubt an euch überhaupt als Themen definieren möchte) gehen ja an die großen Herausforderungen der Stadt vollkommen vorbei.Die Ausgangslage Wiens für die kommenden Jahre ist wie folgt:Als einziges Bundesland Österreichs wird Wien jünger. Das passiert durch Zuwanderung, inklusive der aus anderen Bundesländern.Wien wächst bis 2030 um Graz. Etwa 250.000 Menschen mehr werden in dieser Stadt wohnen, leben, arbeiten, verkehren, Kultur genießen, etc. Schon bald hat Wien mehr Einwohner_innen als zu den Hoch-Zeiten der Jahrhundertwende um 1900.In der Kommunikation wird die revolutionärste Erfindung seit dem Buchdruck – das Internet – Rahmenbedingungen vollkommen verändern.Europa und die USA als kulturelle und wirtschaftliche (leider vielleicht auch politische) Leitgebilde gehören der Vergangenheit an. China und Indien holen auf, Südamerika ebenso. Der Standort Wien (so wie Österreich und Europa) muss politisch, wirtschaftlich, wissenschaftlich, kulturell sorgfältig neu gedacht werden.Ob die Wirtschaftskrise und die zerplatzten Blasen aufgehört haben, oder erst noch so richtig kommen werden, ist noch keine ausgemachte Sache. In welchem Wirtschafts- und Demokratiesystem wir leben wollen ist zwar eine globale Frage, aber auch zu einem gewissen Grad lokal zu beantworten.Der Klimawandel ist kein Zukunftsszenario, sondern wir sind mittendrin. Dafür braucht es klare Vorgaben und Management.Durch unser Wirtschaftssystem und durch ökologische Verwerfungen wird Migration stattfinden, ob wir wollen oder nicht.Daher ärgern mich die kurzfristigen Wahlkampfparolen sehr. Denn in Wahrheit sind die oben genannten Wahrheiten unaufhaltbar und sollten das eigentliche Thema der Stadt sein.Oben genannte Themen sind bei den Grünen nicht ausgeblendet. Christoph Chorherr hat diesbezüglich viel in seiner Präsentation „Was kommt wenn Grün kommt“ erklärt (hier nachzusehen).Viele Menschen fragen mich, wie das leistbar sein soll: Wohnbausanierungen, neue Passivhäuser, etc. Nun: Gebaut werden muss sowieso. Und ja, Passivhäuser bauen ist um etwa 5{6f8c26ad3fabc3ab9e5403d0d68a89bc5a2f8a366172fd8ffa8095b282dbc8a7} teurer. Aber wenn man bedenkt, wie viel Energie sowie Öl- und Gasimporte eingespart werden können, rechnet sich das in kürzester Zeit. Die einstürzenden Altbauten, mit denen Wien in letzter Zeit konfrontiert waren, zeigen ja auch, dass Sanierungen ohnehin stattfinden müssen. Es wäre sinnvoll diese gleich mit Wärmedämmungen und Energiesparmaßnahmen zu sanieren. Das erhöht zudem die Lebensqualität. Über die erste Passiv-Wohnung der Welt in Wien berichten wir ja in unserem Magazin Q:G (Seite 24, hier nachzulesen). Auch das erste energieunabhängige Hotel der Welt befindet sich im 15. Bezirk (hier).Über die demokratischen, politischen und gesellschaftlichen Veränderungen, die mit dem Internet einhergehen, möchte ich in Teil 2 näher eingehen.Zu den veränderten Rahmenbedingungen bei den Machtverhältnissen in der Welt, muss gesagt werden, dass Produktion von Gütern wohl nicht mehr im großen Rahmen in Europa stattfinden wird. Ich sehe noch kein Ende der „Geiz ist geil“-Bewegung und Konsumverhalten. Daher wird nichts anderes übrig bleiben, als den Forschungs-, Dienstleistungs, Kreativ-, Kultur- und Bildungssektor aufzuwerten, denn dies wird für die Zukunft Wiens unabdingbar sein. Wer das veraltete, verkrustete Schulsystem Österreichs betrachtet – samt parteipolitischen Direktionspostenvergaben – kann nur mit Sorge in die Zukunft schauen. Aber eine Grüne Stimme bei und nach der Wahl ist auch ein Zeichen, dass hier dringends umfassend umgekrempelt werden muss. Das gilt für Wien und für Europa.Migration wird stattfinden. Das bedingt unser weltweites Wirtschafts- und Ökosystem. Es ist immer noch unbedingt notwendig, dass wir Hetze ablehnen! Es hilft uns aber auch nicht, wenn immer nur gesagt wird, wie super eh alles sei. Integration und Migration sind keine Themen, die man ablehnen oder befürworten kann. Es sind Themen, die angepackt werden müssen, wo die Politik verdammtnochmal die Ärmel hochkrempeln muss und Zeit und Geld investieren muss. Und ja: Es gibt kulturelle Probleme und ja: Es gibt Konflikte. Die müssen aber genau definiert und diskutiert werden, ohne dass man ganze Bevölkerungsgruppen gegeneinander aufhetzt und eigentlich die öffentliche Sicherheit gefährdet, wie die FPÖ das tut – oder alles schönredet, wie die SPÖ das tut. Letztere zitiert ja bei deder Debatte aus der Mercer-Studie. Die ist aber von Manager für Manager gemacht. Diese SP-Argumentation des „eh alles super“ hilft also weder einer Zimmer-Kabinett-Bassena-Familie am Gürtel, noch Brennpunkten in Simmering. Deshalb laufen diese Gruppen auch in Scharen zur FPÖ über – leider! Integration heißt also: Dialog, Aufklärung, Programme vor Ort (vom Gemeindebau bis zum Betrieb, von der Schule bis zur Kultur) und allem voran: Neugier wecken und ehrlich sein! Und vor allem müssen wir erkennen, dass viele so genannten „Integrationsprobleme“ vielmehr soziale Probleme sind. Hier hat die sozialdemokratische Partei nämlich versagt.*Das wahlweise kurz und bündige oder komplette und ausführliche Wahlprogramm der Grünen gibt es hier.

6 Gedanken zu „Was ich in den kommenden fünf Jahren vorhabe. Teil 1“

  1. Guter Blogbeitrag. Ich wollte zwar sowieso Grüne wählen, aber das hilft mir sehr beim diskutieren im Bekanntenkreis.

    Nur eine Frage: Was meinst du mit 'politisch leider', wenn es um das Ende der Führerschaft von Europa und den USA geht?

  2. Guter Blogbeitrag. Ich wollte zwar sowieso Grüne wählen, aber das hilft mir sehr beim diskutieren im Bekanntenkreis.

    Nur eine Frage: Was meinst du mit 'politisch leider', wenn es um das Ende der Führerschaft von Europa und den USA geht?

  3. Ich meine damit folgendes:

    Auch wenn die Methoden oft in Frage gestellt wurden, versuchen die USA und Europa immerhin Menschenrechtsfragen mit in die Diplomatie mitzunehmen. Als Beispiel seien die Sanktionen mit dem Iran genannt. China ist das egal, und will auch gar keine Globalisierung von Menschenrechten, verletzt sie sie doch selbst. China macht mittlerweile Milliardengeschäfte mit anderen Staaten – Menschenrechte sind da vollkommen egal. Nicht dass Europa und die USA diesbezüglich immer beispielhaft agiert hätten – aber besser als China allemal.

  4. Ich meine damit folgendes:

    Auch wenn die Methoden oft in Frage gestellt wurden, versuchen die USA und Europa immerhin Menschenrechtsfragen mit in die Diplomatie mitzunehmen. Als Beispiel seien die Sanktionen mit dem Iran genannt. China ist das egal, und will auch gar keine Globalisierung von Menschenrechten, verletzt sie sie doch selbst. China macht mittlerweile Milliardengeschäfte mit anderen Staaten – Menschenrechte sind da vollkommen egal. Nicht dass Europa und die USA diesbezüglich immer beispielhaft agiert hätten – aber besser als China allemal.

  5. Ich habe mich noch nicht so recht entschieden, ob ich Grün wählen soll, oder doch dem LIF noch eine Chance gebe. Nur diese inhaltsleeren Plakate und Botschaften nerven mich ungemein. Frischer Wind, Jetzt geht's um Häupl etc. nerven! Und das LIF sagt auch nur >Kraft der Mitte< ohne auch nur eine einzige Idee zu transportieren. Ich muss den Grünen diesmal ein Kompliment machen: Die einzige Partei, die auf ihren Plakaten konkret ist. Ich werde wohl doch Grün wählen, auch wegen dieses Beitrags.

  6. Ich habe mich noch nicht so recht entschieden, ob ich Grün wählen soll, oder doch dem LIF noch eine Chance gebe. Nur diese inhaltsleeren Plakate und Botschaften nerven mich ungemein. Frischer Wind, Jetzt geht's um Häupl etc. nerven! Und das LIF sagt auch nur >Kraft der Mitte< ohne auch nur eine einzige Idee zu transportieren. Ich muss den Grünen diesmal ein Kompliment machen: Die einzige Partei, die auf ihren Plakaten konkret ist. Ich werde wohl doch Grün wählen, auch wegen dieses Beitrags.

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