Entwicklungszusammenarbeit mit Uganda beenden?

Vor einigen Tagen überraschte uns Außenminister Sebastian Kurz. Er stellte klar, dass Österreich sich entschieden gegen homophobe Gesetze weltweit stellen wird. Zudem wurde angekündigt, dass die Entwicklungszusammenarbeit mit Uganda „überdacht“ werde. Uganda ist bereits seit einigen Jahren Schwerpunktland der (ohnehin bescheiden dotierten) österreichischen Entwicklungszusammenarbeit. Hier findet sich eine kurze Beschreibung der österreichischen Arbeit.

Zwei Millionen Flüchtlinge hatte das Land, als vor allem der Norden von der Lord’s Resistance Army terrorisiert wurde. Die Lebenserwartung und die Entwicklung Ugandas hat in den letzten Jahren Erfolge erzielen können. Eine Bevölkerungsgruppe hatte aber schon seit vielen Jahren Diskriminierungen, Terror und Verfolgung hinzunehmen: Die Lesben und Schwulen des Landes. So veröffentlichten Zeitungen Homosexuelle mit Foto in Zeitungen (siehe dieser Blogpost von 2009). 2011 wurde der berühmte Schwulenaktivist David Kato ermordet.

Das Parlament Ugandas – Uganda ist ein Staat mit nur einer Partei – diskutiert seit Jahren ein neues Gesetz gegen Homosexualität. Ursprünglich war sogar die Todesstrafe als Höchststrafe vorgesehen (bei gleichgeschlechtlichem Sex als HIV-Positiver). Das Gesetz wird nunmehr mit der Höchststrafe lebenslang verabschiedet und wurde diese Woche von Präsident Yoweri Musuveni unterzeichnet.

Soll man die Entwicklungszusammenarbeit also beenden?

Ich denke, hier muss man vorsichtig sein. Richtig finde ich Schritte, die jegliche Finanzierung der Regierung verunmöglichen. So hat etwa heute die Weltbank Kredite eingefroren. Und das ist sehr begrüßenswert, weil das Geld direkt in die Regierungkassen fließt.

Allerdings bin ich bei Projekten, die von österreichischen oder anderen internationalen Initiativen ausgehen, die vor Ort eigene Strukturen haben – also dann, wenn ein Geldfluss an die Regierung ausgeschlossen werden kann – vorsichtiger. Denn was können Flüchtlinge, die in ihre Dörfer zurück kehren und Infrastruktur wie Wasser brauchen, für die Homophobie der Politiker_innen im Einparteienstaat?

Und vor allem: Wäre es nicht gerade jetzt ein umso bedeutender Akt, wenn die Entwicklungszusammenarbeit auch die Entwicklung von Menschenrechten mit unterstützt und auch Geld an Menschenrechts- und LGBTI-NGOs geht, damit diese in einem geschützten Raum arbeiten können, bei Prozessen mittels Anwälten helfen können, usw?

Ich habe jedenfalls bereits einen Termin mit Außenminister Kurz in den den nächsten Wochen vereinbart, um genau das zu besprechen. Ich fände es wichtig, dass Österreich die Betroffenen und Verfolgten vor Ort tatsächlich hilft. Jedoch keinesfalls mehr die Regierung.

super zoom. Oder wenn Afrika das verarmte Europa aufkauft.

Derzeit helfe ich bei der Kommunikation einer Performance, die ab 19. August im Dschungel Wien im Museumsquartier stattfinden wird. super zoom heißt die Produktion. Oder: How I Learned to Feel Good about the African Way!

Mmagkosi Tsogang Kgabi und Awelani Lena Moyo, geboren in Botswana bzw. Zimbabwe, mittlerweile wohnhaft in Südafrika beleuchten globale Kapitalströme, afrikanische Verhältnisse und Genderfragen aus ihrer afrikanischen, feministischen und queeren Sicht.

Ein Teil der Performance ist die Umkehr von Klischees, von Bildern im Kopf. So werden die beiden – zumindest performativ – mit viel Geld und vielen Diamanten anreisen, um das krisengeschüttelte, absteigende und verarmte Europa aufzukaufen. Denn sind die Verhältnisse, wie wir sie kennen – das vom armen Afrika und dem superreiche Europa – wirklich so, wie wir meinen? Genau diese Fragen werden in der Performance super zoom behandelt.

Vorab darf ich eine Podiumsdiskussion moderieren. Neben den beiden Künstlerinnen werden auch die Autorin und Journalistin Sibylle Hamann sowie Beatrice Acheleke (AFRA International Center for Black Women’s Perspectives) über „Gender Roles in Africa“ diskutieren.

Ich lade Euch herzlich dazu ein:

Gender Roles in Africa – Die Diskussion

11. August, 19 Uhr, Radlager, 1070 Wien, Westbahnstraße 16

In englischer Sprache! Eintritt frei!

super zoom – Die Performance

DSCHUNGEL WIEN / Saal 1, MQ, Museumsplatz 1, 1070 Wien
Europäische Erstaufführung: 19.8.2011; 20:30 Uhr
Weitere Vorstellungen: 20.8./23.8., jeweils 20:30 Uhr

Karten unter +43 (01) 522 07 20 20 oder tickets@dschungelwien.at

touch down & take off – Das Happening

24. August 2011 ab 15:00h
aspern Seestadt, ehemaliges Flugfeld Aspern, alte Rollbahn

Mit „touch down & take off“ wird am 24. August der Abschluss der Aufführungsserie „super zoom“ gefeiert – und gleichzeitig ein Fundament für die Zukunft gelegt. An einem Ort, der sich bestens zum Abheben eignet: auf dem Gelände des ehemaligen Flugfelds Aspern, das gegenwärtig eine zukünftige Baustelle ist. Mit: AIKO / Kazuko Kurosaki, El Diabolero, Vanja Fuchs, peter fuxx, Mmakgosi Kgabi (Botswana/Südafrika), Awelani Moyo (Simbabwe/Südafrika), Porcelain Hip und Gäste (* BLUE, BIRD and KING * u.A.), ‚transformation‘ by Angel …

Mehr Informationen: superzoom.at

Foto: Vanja Fuchs

Uganda verschärft Gesetze gegen Homosexualität bis zur Todesstrafe.

Meist überwiegt die Hoffnung, die aufgeklärte Menschheit würde den Kampf gegen Bigotterie, religiösen Fanatismus und Vorurteile gewinnen. Aber auch 2009, auf dem Weg ins das zweite Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts, dürfen Zweifel aufkommen.

Wie die ugandische Website The New Vision und Africa News Update heute berichten, liegt dem Parlament in Uganda ein neues Gesetz vor. Darin sollen homosexuelle Handlungen schärfer bestraft werden – bis zur Todesstrafe.
Ganz „schlimme“ (aggravated homosexuality, wie es heißt) Handlungen von Homosexualität werden mit dem Tod bestraft. Darin versteht der Parlamentarier David Bahati auch, wenn einer der Beteiligten HIV-positiv ist. Das Schlimme daran: Viele Menschen in Afrika sind HIV-positiv und wissen das gar nicht. Wenn es also zu einem Verfahren kommt, wird medizinisch untersucht und wenn der Test positiv ist, dann droht der Tod, weil der ugandische Staat dich töten wird. Auch Sex mit Unter-18-Jährigen und mit Menschen mit Behinderung wird mit dem Tod bestraft. Homosexueller Sex wohlgemerkt – für Heteros gilt das nicht…
Generell kann Homosexualität (offence of homosexuality) mit bis zu lebenslänglichen Strafen geahndet werden. Das war leider bisher schon so. Es werden aber auch Dinge unter Strafe gestellt, die sich unglaublich anhören: So soll es etwa bestraft werden, wenn man seine Wohnung zur Verfügung stellt, wenn dort die „Straftat Homosexualität“ begangen wird.
Für lesbisch-schwule NGOs wird die Arbeit in Uganda, die immer wieder Aktionen aus dem Untergrund setzen muss, es sehr schwer hat und sich ständig vor Verfolgung schützen muss, unmöglich gemacht. Auch „Werbung“ für Homosexualität wird nunmehr explizit geahndet.
In einem Blogbeitrag im April habe ich bereits auf die verheerende Situation in Uganda aufmerksam gemacht. Zeitungen veröffentlichen Namen und Fotos von Lesben und Schwule, damit sie gejagt werden können.
Staatschef Museveni meinte einst, in Uganda gäbe es keine Homosexuellen. Das nun geplante Gesetz sagt etwas erschreckend anderes.

Wie ein schwuler Aktivist aus Simbabwe Friseur in Amsterdam wurde.

Marnix de Bruyne, Redakteur der niederländischen Zeitung de Volkskrant porträtiert in diesem kurzen Film Godfrey Marange. Dieser war ein Kämpfer für die Rechte von Lesben und Schwulen und musste deshalb aus seinem Heimatland Simbabwe fliehen.

In Simbabwe regiert seit 1987 Robert Mugabe. In den 1990er Jahren begann in Simbabwe eine unglaubliche Hetze gegen Lesben und Schwule. Für Homosexualität wurde eine Gefängnisstrafe von bis zu 10 Jahren eingeführt. Mugabe bezeichnete Schwule als „minderwertiger als Schweine“.
Godfrey Marange lebt nun in Amsterdam und hat seinen eigenen Friseursalon eröffnet. Aber auch in Europa findet er noch nicht die vollkommene Freiheit, wie er hier erzählt. Gerade Jugendliche brauchen noch jede Menge Aufklärung, findet er.
Lasst euch von den niederländischen Off-Texten nicht abhalten. Die O-Töne von Godfrey Marange sind in englischer Sprache.