Gemeinderat am 19.12.

Ich habe einen Feurlöscher bekommen! Das haben die anderen 100 Kolleg_innen auch. Landtagspräsident Kopietz schenkte uns den zu Weihnachten und stellte ihn auf jeden Platz. Im Begleitbrief hofft er, dass wir ihn nie brauchen werden. Das hoffe ich auch.

Die Sitzung wird jedenfalls lange dauern, gibt es doch unzählige Tagesordnungspunkte. “Knapp vor Jahresende noch schnell durchwinken” ist die Devise. Interessant ist jedes Jahr die Förderungen an Partei-Jugendorganisationen. Wir sind ja der Meinung, dass das über die Parteienförderung geregelt sein sollte und nicht durch zusätzliche Subventionen im Gemeinderat. Und die anderen Parteien schauen immer ganz komisch, wenn wir auch die Subvention für die Grünalternative Jugend ablehnen.
Nach der Fragestunde ist jetzt – mehrere Stunden – von der Wirtschaftskrise die Rede. Die SPÖ beteuert, alles zu unternehmen. Und zwar dann, wenns notwendig wird. Die ÖVP ist wieder mal originell und hält Panzerknacker-Tafel hoch. Was aber alle machen – und nur wir Grüne weisen darauf hin: Das Kernproblem wird nicht angesprochen. Nämlich: Wie steht es um das
Verursacherprinzip der Krise und wie steht es um die gerechte Verteilung?
Der Rechnungshofspräsident war da um die Berichte zu besprechen, die im Einflussbereich der Stadt Wien stehen. Die FPÖ hat eine Dringliche Anfrage an den Bürgermeister gestellt, in der es um die Umgestaltung des Karlsplatzes ging.
In der Kultur habe ich zwei Anträge gestellt, die bedauerlicherweise von der SPÖ abgelehnt wurden, obwohl sie eh nur auf Zuweisung in den Ausschuss gestellt waren: Ein Antrag forderte, dass Förderungen aus dem Rahmenbetrag für Musik auch an popmusikalische Projekte fließen sollen, der zweite beantrage die Renovierung des Gartenbaukinos (dessen Subvention wir zustimmten).
Um 21.15 Uhr war der Gemeinderat zu Ende.
Und was das für mich bedeutet? Urlaub bis Jänner. Da ich dieses Jahr nur wenige Tage hatte, weiß ich das hoffentlich zu genießen (obwohl mir eine völlige Polit-Abstinenz halt schon immer schwer fällt….)

Nach Peter Pilz Kommentar im Standard: ich streite nicht. Ich lade ein.

18. December 2008

Peter Pilz schrieb heute einen Kommentar in DER STANDARD (hier).

Ich bin naturgemäß beim Ausspielen von (elitären oder was?) Homos einerseits und “einfachen” Menschen andererseits nicht einverstanden. Ich kenne viele “einfache” Lesben, Schwule und TransGender. ich kenne auch Eliten. ;-)
Ich glaube jedenfalls, dass ein Streit eh nichts bringt. Überzeugen und zeigen scheint mir die viel bessere Lösung zu sein. Gemeinsam Spaß haben und diskutieren! Also habe ich und die Grünen Andersrum Wien Peter zu einer Nacht in der lesbisch-schwulen Szene eingeladen. Er wird staunen, wie viele “einfache Menschen” lesbisch und schwul sind. Und er wird dabei eine nette Zigarre rauchen können…
Er hat übrigens schon angenommen. Termin wird gesucht.

Schreuder-Interview: Regelverstöße an die Gesellschaft müssen Folgen haben.


Efgani Dönmez hat ein viel diskutiertes Standard Interview gegeben (wer es noch nicht kennt, wird unten Stehendes nicht verstehen, also HIER nachlesen). Ein Migrant, der Migrant_innen auf die Finger klopfen will und sehr pauschal davon ausgeht, dass sie eher kriminell sind. Ich dreh’s mal um. Was hätte ich gesagt, wenn ich so über Schwule reden würde? (Achtung: Satire!)

Schreuder-Interview: Regelverstöße an die Gesellschaft müssen Folgen haben.


Marco Schreuder, Wiener Grünen-Mandatar, über das Zu-viel-in-Gremien-Reden-Problem der Grünen und Schwule, denen man “auf die Finger klopfen muss”
Standard: Ihre Partei, die Grünen, bekommt beim Bundeskongress am 17. und 18. Jänner 2009 eine neue Parteichefin. Eva Glawischnig wird dann offiziell als Alexander Van der Bellens Nachfolgerin zur neuen Bundessprecherin gekürt. Welche politischen Änderungen erwarten Sie von der neuen Chefin?
Schreuder: Wir brauchen jetzt eine langsame Erneuerung, auch einen Imagewandel. Das Bild, das viele Wähler von den Grünen hat, stimmt längst nicht mehr. Wir sind keine Sozialromantiker im Strickpulli, die ohne Wenn und Aber für mehr Homo-Ehen plädieren. Es braucht einen neuen Wind in der Partei. Unser Problem ist – wir haben gute Konzepte, diskutieren darüber aber viel zu sehr in den Gremien. Wir müssen näher zu den heterosexuellen Bürgerinnen und Bürgern und unsere Inhalte leichter verständlich machen.
Standard: Setzt jetzt die vieldiskutierte, oft geforderte Verjüngung ein?
Schreuder: Hoffentlich. Aber es muss langsam gehen. Wie bei gutem Sex. Die Älteren nehmen Viagra, die Jüngeren bekommen so einen hoch – und die Erfahrung bleibt.
Standard: Am Parteitag wird auch der Spitzenkandidat für die EU-Wahl nominiert. Ulrike Lunacek will Nummer eins sein. Bekommt Johannes Voggenhuber, der zuletzt Spitzenkandidat war, Ihre Stimme?
Schreuder: Ja. Er ist ein goscherter Hund, und das gefällt mir besser als eine Lesbe.
Standard: Im Homo-Ehe-Recht scheint “Mehr Pflichten, weniger Rechte” die Zukunft zu sein. Wie beurteilen Sie das?
Schreuder: Die Frau Justizministerin ist noch gar nicht angelobt, wird aber jetzt schon als ‚Eiserne Lady‘verkauft. Doch ein Homo-Ehe-Gesetz ist ein klares Zeichen von Schwäche. Das Problem der Kinderlosigkeit unserer Gesellschaft wird nicht gelöst, sondern nur verlagert. Es ist idiotisch, mündige Erwachsene in unmündige Partnerschaften zu schicken.
Standard: Würden sie eine Klage wegen einer Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung einreichen?
Schreuder: Nein, dieses Risiko würde ich nicht eingehen. Allein aus finanzieller Sicht. Ich kann es mir nicht leisten, fünf Jahre bis Straßburg zu klagen. So was können nur wirklich betuchte Leute machen, und die müssen sich gründlich überlegen, worauf sie sich einlassen.
Standard: Von den Grünen kam rasch Kritik am früheren Berger-Entwurf einer Homo-Partnerschaft. Wie sehen aber konkrete grüne Lösungsvorschläge aus?
Schreuder Regelverstöße an die Gesellschaft müssen Folgen haben. Jemand der unsere Zukunft oder unsere Kinder infrage stellt oder mit homosexuellen Schein-Partnerchaften mit Drittstaatsbürger zu uns kommt, das ist inakzeptabel. Denen, die mit diesem Gesetz Mist bauen wollen, müssen wir auf die Finger klopfen und sie in kürzester Zeit ausweisen oder zwangsscheiden.
Standard: Sie sorgten bei Ihrem Antritt als erster “Schwulen-Abgeordneter” mit Sagern wie „Schwule ficken viel zu viel rum” für Wirbel. Kritik kam damals vor allem aus den eigenen Reihen. Jetzt ist es auffallend ruhig um Sie. War das grüne Einschwulen nur ein Strohfeuer?
Schreuder: Ich sehe mich nicht als Einschwuler. Ich habe mit meinen Äußerungen Dinge angesprochen, die sich so noch keiner getraut hat zu sagen. Das hat für Irritationen gesorgt – auch innerhalb der Grünen. Das nehme ich zur Kenntnis, fahre aber trotzdem weiter meine Linie.
Standard: Einzelkämpfer sind in der Politik noch nie alt geworden.
Schreuder: Es gab ja auch viel Zustimmung. Gudenus junior rief mich gleich an. Außerdem bin ich zum Glück nicht von der Politik abhängig, darum lasse ich mir auch keinen Maulkorb umhängen.
Standard: Ihre künftige Parteichefin ortete jüngst in einem Zeitungsinterview bei den Grünen “einen Haufen Machos”. Beleidigt?
Schreuder (lacht): Wenn man darunter versteht, dass man als Grüner eine klare Linie hat und eine Richtung vorgibt, bin ich ein Macho. Warum soll man als Mann nicht auch mal ordentlich auf den Tisch hauen? Aber die Frauen in unserer Partei sind auf jeden Fall alle hoch engagiert und qualifiziert. Aber in meinem Fall muss ich zugeben: Auch einen schwulen Penis zu haben reicht bei den Grünen nicht als Qualifikation. 

עזרא Esra (Hebr.) = Hilfe

Zum Abschluss des Gedenkjahres haben die Grünen Wien in ihrer Ausgabe der Zeitung Wien direkt einen Artikel von mir veröffentlicht, den ich hier online stelle:

 

 

Im Schatten lauter Gedenkveranstaltungen arbeitet eine Initiative, die Opfer des Nationalsozialismus hilft.

Esra ist hebräisch und bedeutet frei übersetzt „Gottes Hilfe“. Am bekanntesten ist der Name durch das Buch Esra im Alten Testament, aber auch im Koran findet er Erwähnung. Esra war Nachfolger des Hohepriesters Aron und lebte nach der Zeit der babylonischen Gefangenschaft und der Zerstörung Jerusalems. Im Jahr 458 v.Chr. zog Esra mit Vollmachten des Perserkönigs Artaxerxes nach Jerusalem und nahm 1.496 Menschen in die alte Heimat mit. Er schaffte neue Rechte und Strukturen in der wieder aufzubauenden Jerusalemer Gemeinde und half maßgeblich mit, Exiljuden zurück nach Jerusalem zu bringen. 

2.400 Jahre später


Die jüdische Gemeinde Wiens galt im 19. Jahrhundert als besonders liberal und assimiliert. Sie war fester Bestandteil der Wiener Gesellschaft. Ihr Erfolg versprechender Weg, der in der Aufklärung am Ende des 18. Jahrhunderts begonnen hatte, führte 1938 in die Katastrophe. Zahlreiche Nachkommen empfanden sich nicht mehr als Jüdinnen und Juden. Manche konvertierten zum Christentum, viele empfanden sich als ÖsterreicherInnen und WienerInnen und fühlten sich durch die Nationalsozialisten nicht gefährdet. Nach dem Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland brauchten die Verbrecher des Hitler-Regimes aber nur wenige Wochen und Monate, um Vermögen zu beschlagnahmen, Menschen in Konzentrationslager zu transportieren und sie bestialisch zu ermorden. Nur wenige überlebten oder konnten fliehen. Tempel und Bethäuser fielen 1938 den Verwüstungen der Novemberpogrome zum Opfer.

Notwendige Hilfe

Aus historischen Ereignissen kann die Menschheit bis heute lernen. In der Antike brauchte es nach der babylonischen Gefangenschaft des jüdischen Volkes Strukturen und Rechte, um Jüdinnen und Juden aus dem Exil zurück nach Jerusalem zu bringen. Esra war derjenige, der diese Aufgabe übernahm. Er gründete eine neue jüdische Gemeinde.

In Österreich gab es nach 1945 nur wenig derartige Unterstützung. Zahlreiche umstrittene Restitutionsfälle, mangelnde Einladungen, die alte Heimat wiederzusehen bzw. in sie zurückzukehren, sowie die fehlende Hilfe für NS-Opfer beschäftigen das Nachkriegsösterreich bis heute.  Die unterbliebene Unterstützung zeigt sich auch im erbärmlicher Umgang mit kulturhistorischen Stätten jüdischen Lebens – insbesondere den alten jüdischen Friedhöfen.

Es bedurfte wieder eines Esra, um Menschen zu helfen, die verfolgt worden waren und traumatische Erfahrungen gemacht hatten. ESRA ist in diesem Fall kein Mensch, sondern ein psychosoziales Zentrum, das seit 1997 an jener Stelle angesiedelt ist, an der sich einst die größte jüdische Synagoge befand: in der Tempelgasse 5 im 2. Wiener Bezirk. Bis zu seiner Gründung war es aber noch ein schwieriger Weg. Die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) sah sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit besonderen Herausforderungen konfrontiert. Es galt sowohl die Folgen der Katastrophe der Shoah von 1938 bis 1945 als auch die in den 70er Jahren einsetzende Migration von vor allem sowjetischen JüdInnen zu bewältigen. 

Das psychosoziale Zentrum ESRA


ESRA wurde nach vielen Jahren der Vorbereitung 1994 gegründet. Mit Unterstützung der Republik Österreich und der Stadt Wien schuf die IKG damit eine innovative und moderne Form ihrer Sozialarbeit. Sie deckt nicht nur die bisher geleistete Sozialarbeit der jüdischen Gemeinde ab, sondern kann darüber hinaus auf die vielfältigen psychischen, sozialen, integrationsspezifischen und rechtlichen Fragen Einzelner eingehen. ESRA kann Menschen nach ihren jeweiligen individuellen Bedürfnissen betreuen.

Holocaust-Überlebende finden in der Tempelgasse (bei Gebrechlichkeit auch zuhause) besonders umfangreiche Unterstützung in Form von  Sozialarbeit, Hilfe im Alter oder rechtlichen Auskünften zu Restitution und Entschädigungsansprüchen. Erfahrung und der Umgang mit Überlebenden der Shoah – und die damit verbundene Traumaforschung sowie der sozialarbeiterischen Umgang mit traumatischen Katastrophen – sind besonders hervorzuhebende Qualitäten von ESRA. Die Erfahrungen des psychosozialen Zentrums der IKG haben sogar dazu geführt, dass ESRA auch bei Katastrophen wie dam Lawinenunglück in Galtür, beim Seilbahnunglück in Kaprun, bei der Tsunami-Katastrophe in Asien und beim Geiseldrama von Beslan helfen konnte. ESRA verfügt über einzigartiges Wissen sowie über kompetente und multilinguale MitarbeiterInnen aus den Bereichen der Medizin, Psychologie und Sozialarbeit.

Das Zentrum ist in zwei Hauptbereiche eingeteilt: Die Ambulanz, als erste Säule, bietet medizinische, therapeutische und pflegerische Angebote. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt in der Betreuung und Behandlung von jüdischer MigrantInnen und Holocaust-Überlebenden. ESRA legt besonderen Wert darauf, dass nicht nur jüdische NS-Opfer behandelt werden, sondern dass alle Opfer des Terrorregimes Hitlers betreut werden. Auch Roma und Sinti, politisch Verfolgte, Kärntner SlowenInnen, Opfer der Euthanasie, Zeugen Jehovas, Homosexuelle und andere. Zur Ambulanz gehört sowohl die neurologische  als auch die psychosoziale Behandlung und Beratung, allgemein-medizinische Hilfestellungen, Betreuung durch diplomiertes Pflegepersonal, Psychotherapie, Traumabehandlung, Supervision, psychologische Betreuung und Behandlung, Palliativ-Behandlung und -Beratung sowie eine Memory Clinic.

Die zweite Säule ist die Sozialberatung. Diplomierte SozialarbeiterInnen bieten mannigfaltige Betreuungsformen an, unter anderem Hilfe in der Integration von MigrantInnen, Hilfe bei Entschädigungsansprüchen (Opferfürsorgegesetz, Entschädigungen aus Deutschland, Pensionsansprüche, usw.), Unterstützung im Alter (Vermittlung sozialer Dienste, Pflegegeldanträge, Tagesheimstätten, Vermittlung von SeniorInnenwohnheimen und Pflegeheimen, usw.), Hilfe bei Wohnungsangelegenheiten (z.B. Beratung zur Erlangung von Gemeindewohnungen), Hilfe bei finanziellen oder familiären Problemen, sowie eine Rechtsberatung.

Abgerundet wird das Angebot durch gesellschaftliche und kulturelle Angebote. Am Mittagstisch kann um wenig Geld ein koscheres Menü eingenommen werden, im Café kann bei koscherem Kuchen, Kaffee und Tee mitunter auch die eine oder andere Ausstellung mit Kunstwerken bewundert werden. Im Sommer 2008 fand ein spezielles Sommerkino statt. 

 

Gedenkjahr 2008 und ESRA

Das offizielle Österreich gedachte im Jahr 2008 der Ereignisse vom 12. März 1938 und deren katastrophalen Folgen. Dabei wurden bei Gedenkveranstaltungen seltsame Sachen gesagt, Österreich als Opfer stilisiert oder eine Menge Geld in Events investiert. Im Schatten dieser pompösen Selbstdarstellungen arbeitet ESRA weiter – still aber effektiv.

Daher ist es Zeit, ESRA besonders hervorzuheben, denn die Erfahrungen und wissenschaftlichen Ergebnisse dieser einzigartigen Einrichtung führten zu einer Kompetenz, die in Österreich ihresgleichen sucht. Denn Hilfe heißt auf hebräisch Esra und kommt schlussendlich allen zugute.

Psychosoziales Zentrum Esra
Tempelgasse 5, 1020 Wien
(Bei Besuchen aufgrund der Sicherheitsvorkehrungen bitte Ausweis mitnehmen)